Kirchentonleitern

Im Mittelalter kannte man noch keine Halbtöne, d.h. man nutzte nur die Stammtöne (also z.B. die weißen Tasten auf dem Klavier) zum Musizieren. Ausnahme war das b, das als einen Halbton tiefere Variation des h gebräuchlich war, denn die im Mittelalter vielgenutzte Quinte ist vom h aus nicht spielbar, da der Abstand zum f keine echte Quinte ist, sondern der schaurig klingende Tritonus, den keiner hören will.

Je nachdem, von welchem Ton aus man startet, ergeben sich unterschiedliche Tonabstände, da sich bei den Stammtönen Ganztonschritte und Halbtonschritte (zwischen e und f und zwischen h und c!) abwechseln. So ergeben sich - abhängig vom Grundton - verschieden klingende Tonleitern.

Die Kirchentonleitern sind aber keine Vorschrift, sondern sind mehr eine nachträgliche Erklärung für die damals gängige Musizierpraxis. Abweichungen und Mischungen zwischen den Modi sind deshalb durchaus üblich, z.B. wird in Dorisch auch manchmal das b statt des h verwendet, so daß eigentlich eine Moll-Tonleiter erklingt.

Dorisch


Startet man eine Tonleiter mit den Stammtönen vom Grundton d aus, ergibt sich die dorische Skala. Sie hat die Halbtonschritte zwischen dem 2. und 3. Ton und zwischen dem 6. und 7. Ton.

Dorische Leiter

Die dorische Tonleiter hat große Ähnlichkeit mit der reinen Molltonleiter, sie unterscheidet sich nur im sechsten Ton:



Phrygisch

Halbtonschritte zwischen dem 1. und 2. Ton und zwischen dem 5. und 6. Ton.
Keine Vorzeichen, wenn man beim Ton e beginnt.

Phrygische Leiter

Auch die Phrygische Tonleiter hat sehr viel Ähnlichkeit mit der natürlichen Molltonleiter, sie unterscheidet sich von ihr im zweiten Ton.



Lydisch

Halbtonschritte zwischen dem 4. und 5. Ton und zwischen dem 7. und 8. Ton.
Keine Vorzeichen, wenn man beim Ton f beginnt.

Lydische Leiter

Die Lydische Tonleiter ähnelt der Dur-Tonleiter und unterscheidet sich im 4.Ton.



Mixolydisch

Halbtonschritte zwischen dem 3. und 4. Ton und zwischen dem 6. und 7. Ton.
Keine Vorzeichen, wenn man beim Ton g beginnt.

Mixolydische Leiter

Vergleich zum nah verwandten Dur:



Hypodorisch, Hypophrygisch, ...

Neben den Haupttonarten Dorisch, Phrygisch, Lydisch und Mixolydisch, gab es vier weitere plagale Nebentonarten.
Da es eine Regel gab, daß der Grundton auch tiefster Ton sein muß, wurden plagale Nebentonarten erfunden, die eine Quarte tiefer begannen, jedoch dasselbe tonale Zentrum hatten. Die plagalen Modi erhalten den gleichen Namen mit der Vorsilbe "hypo" (z.B. hypodorisch), um die Verwandtschaft zu kennzeichen. Hypodorisch bspw. beginnt auf a, Grundton ist jedoch d.

Äolisch und Ionisch

Im 16. Jh. wurden den ursprünglichen Kirchentonarten zwei weitere hinzugefügt: die Ionische Tonleiter, in der Stammtonreihe beginnend auf dem Grundton c und Äolisch mit dem Grundton a. Daraus sind das heutige Dur und die natürliche Molltonleiter entstanden.

Lokrisch

Der Vollständigkeit halber muß man auch den Lokrischen Modus erwähnen, der die Tonleiter beschreibt, die auf dem h beginnt. Aufgrund der erwähnten Problematik mit der fehlenden Quinte h-f ist diese Tonart nicht wirklich benutzt worden (außer heutzutage von den Jazzern, die mögen das so ;-) Die Halbtonschritte liegen zwischen dem 1. und 2. Ton und zwischen dem 4. und 5. Ton.

Mixolydische Leiter

Am ehesten Ähnlichkeit hat die Lokrische Tonleiter mit natürlichem Moll:





Kirchentonarten von anderen Grundtönen

Da wir heute ja die Halbtöne haben, kann jeder Modus von jedem Grundton aus gestartet werden. Die Vorzeichen müssen entsprechend den Regeln gesetzt werden.
Hier ein Beispiel aller Modi von g aus:


Sehr schöne Erläuterungen zur praktischen Verwendung und Harmonisierung der Kirchentonarten hat Jürgen Hochweber zusammengestellt.

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Seite erstellt: 2000 / 2001, letzte Änderung: 18.09.2010