Die Gitarre

Haltung und Spielweise der Gitarre

Aufbau und Spielweise

Die Gitarre ist ein Zupfinstrument, das aus einem 8-förmigen Körper und einem Hals besteht. Auf dem Hals sind die Saiten gespannt, die durch Zupfen mit der rechten Hand zum Klingen gebracht werden.
Die Gitarre hat nur wenige (meist 6) unterschiedlich hoch klingende Saiten. Die restlichen Töne werden dadurch erzeugt, daß man mit der linken Hand die Saite auf dem Hals niederdrückt. Dadurch verkürzt sich die entsprechende Saite und die Saite klingt höher.
Durch einen kleinen Holzbalken, der auf der Gitarrendecke aufgeleimt ist (der Steg), wird die Schwingung der Saiten auf den Klangkörper übertragen. Durch das Schalloch wird die Schwingung des Gitarrenkörpers wieder nach außen gebracht und wird so laut und deutlich für uns hörbar. Ohne Schalloch wäre eine Gitarre sehr leise.

Gitarrentypen

Konzertgitarre

Die bekannteste und einfachste Form der Gitarre ist die Konzertgitarre, auch als Spanische Gitarre bekannt. Wird vor allem für Klassische Musik, aber auch für Flamenco und Liedbegleitung genutzt. Sie wird ausschließlich mit Nylonsaiten bespannt und ist sehr preiswert zu haben. Auf diese Gitarren darf man keine Stahlsaiten aufziehen, da die Hölzer dieser Gitarren viel zu weich sind und dem starken Zug der Stahlsaiten nicht lange Stand halten würden. Ergebnis solch eines Experiments wäre eine Gitarre, die keine sauberen Töne mehr erzeugt, weil sich die Hölzer verzogen haben.

Westerngitarren

Westerngitarren haben einen wesentlich größeren Körper und werden mit Stahlsaiten bespannt. Der Hals ist schmaler und hat meist mehr Bünde als eine Konzertgitarre (20 statt 18 wie bei der Konzertgitarre). Die Westerngitarren sind auch als Folk- oder Countrygitarren bekannt, weil sie in diesen Musikrichtungen besonders häufig verwendet werden. Im Englischen werdem diese Gitarren "Dreadnought" genannt.

Ovationgitarren

Ovationgitarren ähneln den Westerngitarren, haben jedoch einen runden Boden. Der Name kommt von der Firma, die diese Gitarren herstellt. Meist haben sie schon Tonabnehmer integriert, weil sie sehr leise klingen. Wegen ihres besonderen Klanges werden sie oft im Studio oder auf der Bühne benutzt.
Foto von verschiedenen Gitarrentypen
Konzertgitarre, Westerngitarre, E-Gitarre (v.l.)

Jazzgitarren

Ähneln den Westerngitarren, haben aber kein rundes Schalloch, sondern f-förmige Schallöcher wie die Streichinstrumente. Auch sie haben oft bereits Tonabnehmer eingebaut.

Resonatorgitarren

Die Resonatorgitarren sind 1930 entstanden. Zu dieser Zeit waren die Tonabnehmer für Gitarren noch nicht erfunden, aber die Gitarristen wollten lautstärkemäßig mit den ganzen Blasinstrumenten (Jazz!) mithalten. Deswegen haben diese Instrumente oben auf dem Gitarrenkörper eine Art metallenen Lautsprecher. Die Resonatorgitarre ist auch als Dobro bekannt, denn so hieß die Firma, die solch eine Gitarre als erstes herstellte.

Double-Neck

Double-Neck-Gitarren sind Gitarren mit zwei Hälsen, meist ist ein Hals mit 12-Saiten bespannt oder weist andere Besonderheiten auf. So kann der Musiker schnell die "Gitarren" wechseln ohne das Instrument beiseite zu legen.

E-Gitarre

Die E-Gitarre (das E steht für elektrisch) gehört nicht zu den Saitenklingern, sondern zu den Stromklingern. Die E-Gitarre wird zwar fast genauso gespielt wie ihre akustischen Verwandten, aber die Schwingung der Saiten wird nicht auf den Gitarrenkörper übertragen, sondern über Tonabnehmer (engl. = Pick-Ups) abgenommen und über Verstärker (engl. = Amplifier oder kurz "Amp") ausgegeben. Da der Gitarrenkörper nicht zur Klangerzeugung gebraucht wird, ist er auch nicht hohl, sondern aus massivem Holz (="solid body"). Dadurch kann der Korpus im Prinzip jede beliebige Form annehmen, z.B in Form eines V ("Flying-V" genannt) oder eines X (="Explorer"). Am beliebtesten scheint allerdings die "klassische" 8-Form, meist mit einfachem oder doppelten Cutaway.
Ein Bekannter von mir hat ein paar coole Fotos von einer "Stromgitarren"-Ausstellung gemacht, guckt sie euch an.

Semiakustik

Semiakustikgitarren sind eigentlich kein eigener Gitarrentyp, sondern sagen nur aus, daß es sich hier um Zwischenformen zwischen akustischen und elektrischen Gitarren handelt. Auf diesen Instrumenten kann man - im Gegensatz zu E-Gitarren - ohne Verstärker spielen, aber sie haben bereits Mikrophon oder Tonabnehmer fest eingebaut, um sie im Bedarfsfall elektrisch zu verstärken. Ovation- und Jazzgitarren sind z.B. meist semiakustische Gitarren.

12-Saiter

Im Gegensatz zu den normalen 6-saitigen Gitarren gibt es auch Gitarren mit 12 Saiten. Hier sind die Saiten in Zweierpaaren angeordnet, die oberen zwei Paare klingen jeweils gleich, die unteren vier Saitenpaare sind in Oktaven gestimmt. Die Saitenpaare werden immer zusammen gegriffen und angeschlagen, dadurch ergibt sich insgesamt ein volleres Klangbild. Gerne werden auch die Saitenpaare leicht gegeneinander verstimmt, die so entstehenden Schwebungen sorgen für einen "sphärischen" Klang.
12-Saiter gibt es nur mit Stahlsaiten, da die Nylonsaiten für die enge Lage zu weit ausschwingen.

Es gibt auch spezielle Gitarren mit 7 oder 8 Saiten, diese sind aber eher Ausnahmen.

Stimmung

Gitarrenstimmung: E-A-d-g-h-e

Im Unterschied zu den Streichinstrumenten wird die Gitarre meistens wie oben abgebildet in Quart- bzw. Terzabständen gestimmt.
Möglich sind aber auch beliebige andere Stimmungen, die als "Skordaturen" bezeichnet werden.
Gern wird z.B. die tiefe E-Saite auf D runtergestimmt, wodurch man einen weiteren Ton in der Tiefe gewinnt. Im Death-Metal werden gern alle Saiten ein, zwei oder drei Halbtöne tiefer gestimmt, um die düstere Stimmung zu unterstreichen. Das "nach-unten-stimmen" hat aber natürliche Grenzen, denn wenn die Saiten wesentlich tiefer gestimmt sind als vorgesehen, ist die Saitenspannung so gering, daß die Spielfähigkeit der Saiten behindert wird.
Auch trifft man bei einigen Noten auf die Anweisung, die g-Saite auf fis zu stimmen. Dadurch lassen sich bestimmte Intervalle und Tonfolgen leichter spielen, was sich in eben diesen Stücken wohl als vorteilhaft erweist.
Werden die Saiten so gestimmt, daß ohne Eingreifen der linken Hand ein Akkord entsteht, spricht man von offener Stimmung, z.B. D-A-d-fis-a-d (=D-Dur-Akkord!).

Gitarren klingen eine Oktave tiefer als notiert, oft wird dies durch eine 8 unter dem Violinschlüssel kenntlich gemacht.

Bünde

Ein weiterer Unterschied zu den Streichinstrumenten sind die Bundstäbchen, die alle Gitarren und ihre Verwandten aufweisen. Die Bundstäbchen sind kleine Metallplättchen, die in ganz bestimmten Abständen auf den Hals geleimt sind. Jeder so entstandene Bund entspricht genau einem Halbton:
Notennamen auf dem Gitarrenhals
Saiteninstrumente mit Bundstäbchen lassen sich viel leichter spielen, weil man den richtigen Ton nicht blind treffen muß, sondern sich an den Bundstäbchen orientieren kann. Dabei ist es für die Tonhöhe eigentlich egal, wo im Bund man greift. Allerdings klirren die Saiten gern unangenehm, wenn man seine Finger nicht möglichst nah vor das Bundstäbchen plaziert.
Der Grund, daß die Gitarren Bundstäbchen haben und die Streicher nicht, ist aber ein anderer: Dadurch, daß der Finger, der den Ton greift, durch das Bundstäbchen nicht den schwingenden Teil der Saite berührt, kann die Saite viel länger klingen. Bei der Geige ist das nicht so wichtig, da der Ton solange klingt, wie man mit dem Bogen über die Saite streicht, aber bei der Gitarre klingt der Ton nach dem Anzupfen schon generell nicht sehr lange nach, weshalb die Bundstäbchen die Klangdauer verlängern und damit den Ton verschönern.
Der Nachteil von Bundstäbchen ist allerdings, daß es nicht möglich ist, Zwischentöne zu erzeugen, sondern man kann eigentlich nur die durch die Bundstäbchen festgelegten Töne erzeugen (von einigen Tricks mal abgesehen). Hat man eine billige Gitarre erwischt, wo die Bundstäbchen schlampig montiert wurden, oder deren Holz sich verzogen hat, kann man auf diesem Instrument nur sehr schwierig saubere Töne erzeugen. Diese Gitarre ist dann "nicht bundrein".

Zubehör

Kapodaster

Ein Hilfsmittel, um alle Saiten einer Gitarre höher erklingen zu lassen. Es wird fest auf den Hals geklemmt, und wirkt dadurch, als ob man alle Saiten in diesem Bund drücken würde.
Er wird gern in der Liedbegleitung genutzt, um schnell die Tonart zu wechseln, ohne transponieren (=alle Akkorde in die neue Tonart "übersetzen") zu müssen; aber auch, um komplizierte Barrégriffe in einer Tonart zu vermeiden. Auch Anfänger oder kleine Kinder üben manchmal mit Kapodaster, weil die Bünde in den höheren Lagen enger zusammen liegen und so einfacher zu greifen sind.
Der Kapodaster wird bei Gitarristen meist lässig "Kapo" genannt, oder gehässigerweise als "Klapperdaster" bezeichnet, weil billige Kapodaster nicht richtig aufliegen und dadurch die Saiten schnell "schnarren" und klappern. Echte Profis spielen natürlich ohne Kapodaster ;-)
Achtung: Gitarrenhälse sind unterschiedlich stark gewölbt, hier muß man also den entsprechenden Kapodaster auswählen!
Gitarre mit Kapodaster
ganz viele Plektren
Plektren gibt es oft mit tollen Motiven, weshalb sie sich hervorragend zum Sammeln eignen.

Plektrum

Plektren sind kleine Teile aus Plastik (gelegentlich auch aus Metall oder Holz), die man anstatt der Fingernägel zum Anschlagen der Saiten verwendet. Plektren gibt es in den unterschiedlichsten Formen und Größen, je nach Geschmack und Vorlieben. Außerdem gibt es verschiedene Härtegrade, die die Spielweise und vor allem den Klang beeinflussen.

Gitarrenbegriffe

Hier zur Vollständigkeit noch ein paar Begriffe, denen man beim Gitarrespielen gelegentlich begegnet.

Sattel

Sattel ist das Plastikteil oben am Hals der Gitarre, über den die Saiten zu den Stimmwirbeln laufen.

Steg

Das Gegenstück zum Sattel ist der Steg, ein kleines Holzstück, das sich auf dem Gitarrenkörper befindet und die Schwingung der Saiten auf den Körper überträgt. Meist sind direkt hinter dem Steg auf dem gleichen Holzstück (dem Querriegel) die Saiten festgemacht.

Mensur

Als Mensur bezeichnet man die Länge der freischwingenden Saite, also den Abstand zwischen Sattel und Steg.

Zarge

Zargen sind die Seitenteile des Gitarrenkörpers, die Decke und Boden miteinander verbinden.

Pickguard

Pickguard ist ein Plastikstück auf der Decke, der den empfindlichen Lack der Decke vor dem Zerkratzen durch Plektren schützen soll. Findet man vor allem bei Gitarren, die traditionell mit Plektrum gespielt werden, also z.B. Western- oder E-Gitarren. Sichtbar rechts im Bild das schwarze Teil neben dem Schalloch.
Darstellung von Pickguard und Cutaway

Cutaway

Ein Cutaway (engl. = "weggeschnitten") ist eine Einbuchtung am Körper der Gitarre, an der Stelle, wo der Hals ansetzt. So kann man die hohen Bünde viel leichter greifen. Es gibt den einfachen Cutaway, d.h. die Einbuchtung ist nur auf der Saite, wo die hohen Saiten liegen, und es gibt Gitarren mit doppelten Cutaway, d.h. auf beiden Saiten des Halses ist eine Einbuchtung. Doppelte Cutaways findet man vor allem bei E-Gitarren und einfache Cutaways bei einigen Westerngitarren, während die Konzertgitarren fast immer die klassische 8-Form beibehalten. Auf dem Bild links sieht man ein doppeltes Cutaway bei der E-Gitarre, während die Westerngitarre die klassische Form aufweist.
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Guitarpark

Wikibook Gitarre
Wer das Gitarrespielen lernen will, ist hier gut aufgehoben

Folk of the Wood's Acoustic Music Lessons (engl.)

Wer's tatsächlich mal mit einer Papiervariante versuchen möchte, dem kann ich die Gitarrenschule von Mike Eulner und Jacky Dreksler empfehlen. Für mich gibt es nämlich keinen Grund, warum anschauliche Abbildungen, verständliche Erklärungen und lustige Übungsstücke alleine den Kindern vorbehalten sein sollen.

Und zuguterletzt nochmal den Link zu den Bildern von einer "Stromgitarren"-Ausstellung.

Seite erstellt: 22.09.2006