Naturtonhörner

Vor Entwicklung der Ventile wurde auf Naturtoninstrumenten gespielt, von denen einige auch heute noch aus Tradition weiter gespielt werden. Die Naturtoninstrumente können nur Töne der Naturtonreihe spielen, sind also musikalisch nur sehr eingeschränkt verwendbar.

Das Signalhorn

In der Infanterie wurde ein schlicht "Signalhorn" genanntes Bügelhorn zur Übermittlung von militärischen Befehlen eingesetzt, welches einen sehr lauten, weittragenden Klang hat und bei dem die wenigen spielbaren Töne auch von weitem gut unterscheidbar sind. Das Signalhorn hat eine konische Röhre, eine mittelgroße Stürze (ca. 14cm Durchmesser) und ist ca. 30cm lang. Das ca. 1,10m lange Rohr ist zweimal aufgewickelt, damit es platzsparend an den Gürtel gehängt werden kann.

Es gibt auch eine einwindige Variante des Signalhorns von einem französischen Instrumentenbauer, die Clairon genannt wird. Das Clairon ist nicht zu verwechseln mit der sehr ähnlich aussehenden B-Fanfare (auch "Signaltrompete" genannt), die jedoch stärker zylindrisch ist und eine kleinere Stürze hat.

Die Weiterentwicklung des Signalhorns durch den Einbau von Ventilen führte zum Flügelhorn (das Wort "Flügel" stammt noch aus dem Militärischen, denn es wurde nach wie vor vom "Flügelmann" gespielt). Die zweiwindige Aufwicklung ist durch die extra-Rohrbögen für die Ventile nicht mehr möglich, weshalb das Flügelhorn sehr viel größer ist (ca. 50cm).

Das "gewöhnliche" Signalhorn ist in C und damit ein nicht transponierendes Instrumentes. Es ergeben sich damit folgende spielbare Töne:

Die grauen Töne sind theoretisch spielbar, werden aber praktisch nicht genutzt.


B-Bogen

Zum besseren Zusammenspiel mit den B-Spielmannszugsflöten wird zwischen Mundstück und Horn ein Verlängerungsbogen - der sogenannte B-Bogen - eingefügt. Das Signalhorn klingt dann einen Ganzton tiefer als notiert.

Das Signalhorn ist eine aussterbende Spezies, nur noch von einigen "Sportspielmannszügen" in den neuen Bundesländern wird das Spiel auf dem Signalhorn noch gepflegt, und auch hier mit nachlassender Begeisterung. Mit der Fanfare und dem Jagdhorn stehen einfach klanglich interessantere Naturtoninstrumente zur Verfügung.

Das "Fürst-Pless"-Jagdhorn

Wie der Name vermuten läßt, ist dies das Signalinstrument der Jäger. Es ist fast identisch mit dem Signalhorn (oder besser umgekehrt: das Signalhorn ist identisch mit dem Jagdhorn, denn das Jagdhorn ist das weitaus bekanntere und weiter verbreitete Instrument!), jedoch ist die Form vollständig rund. Auch zeigt die Stürze beim Spielen nicht nach vorn, sondern nach oben. Ist ja auch nur bedingt schlau, seine Signale gegen den nächsten Baum zu schmettern...;-)

Benannt ist das "kleine Jagdhorn" nach Fürst Hans Heinrich von Pless, der Oberjagdmeister des Kaisers Wilhelm I., welcher sein kleines Jagdhorn ständig bei sich trug und vortrefflich darauf blies, wodurch sich dies als Mode etablierte und sich der Name "Fürst-Pless" für das Jagdhorn einbürgerte.


Dank an die "Jagdhornbläsergruppe Töpchin" für die Fotos

Beim Jagdhorn werden die gleichen Töne verwendet wie beim Signalhorn, jedoch ist das Jagdhorn standardmäßig in B-Stimmung, dadurch auch etwas länger (ca. 1,30m).

Das Parforcehorn


Einwindiges B-Parforcehorn

Auch das Parforcehorn wurde (und wird) als Signalinstrument für die Jagd verwendet, speziell zur Parforcejagd (franz. parforce = Kraft, eine Hetzjagd mit Hunden und Pferden). Es ist jedoch anders gebaut als die Fürst-Pless-Hörner, nämlich genau wie ein Waldhorn, als dessen direkter Vorgänger es auch angesehen werden kann. Es hat eine sehr enge Mensur und ist zylindrisch. Durch die stark ausladende Stürze (ca. 30cm!) wird der Klang aber wieder abgemildert und die tiefen Töne verstärkt. Durch die enge zylindrische Mensur läßt es sich sehr gut überblasen und hat damit viel mehr Naturtöne zur Verfügung als das Fürst-Pless-Horn. Da die Naturtöne natürlich dann enger beeinander liegen, ist es viel schwieriger zu spielen (beim Waldhorn nennt man das gehässig "Glücksspirale" ;-)

Die ursprünglichen Parforcehörner waren in tiefer D-Stimmung und ca. 4,50m lang. Um dieses lange Horn auf das Pferd zu bekommen, wurde das Rohr in einem sehr großen Durchmesser gebogen, so daß man sich das Horn lässig über die Schulter hängen konnte, um so die Hände für die Zügel frei zu haben. Aus der Größe des Instrumentes ergibt sich auch, daß die Stürze beim Spielen nicht mehr stolz nach oben gereckt wurde, sondern rechts nach hinten am Körper vorbei zeigt. Heute erklingen die "Solo"-Parforce-Hörner in der gebräuchlicheren Stimmung Es, bei dem bis zu 16 Naturtöne spielbar sein sollen.

Gern wird das Parforcehorn in Jagdbläsergruppen als Baßinstrument eingesetzt. Hierfür wird das höher klingende Parforce-Horn in B verwendet, welches dann die gleichen 5 Töne spielt wie die Fürst-Pless-Hörner, jedoch eine Oktave tiefer als diese erklingt.

Hier kann man sich verschiedene Jagd-Signale anhören und ansehen.

Parforcehörner gibt es einwindig und zweiwindig, wobei die B-Hörner meist einwindig und die Es-Hörner meist zweiwindig sind. Beide haben dann einen Durchmesser von ca. 45cm. Ein zweiwindiges B-Parforcehorn ist natürlich kleiner, aber auch im Klang etwas schärfer, und deswegen nicht so beliebt.

Das Posthorn

Das Posthorn ist auch im Prinzip auch ein Signalhorn, denn die Post mußte sich ja akustisch bemerkbar machen, um ihr Kommen anzukündigen, damit es schnell weitergeht (Termine, Termine!). Genau wie heute das Martinshorn galt das Posthorn als Aufforderung, den Weg freizumachen und ebenso wie heute war die mißbräuchliche Benutzung eines Posthornes strafbar (keine Ahnung, wann und wo die Postillone geübt haben?)!

Form und Haltung sind dem Jagdhorn ähnlich (man denke an das alte Symbol der Deutschen Post!), jedoch ist es enger mensuriert als das Jagdhorn und nicht so stark konisch (also eher wie das Kornett als wie ein Flügelhorn).
Aber natürlich gab es unterschiedliche Formen von Posthörnern.

Die spielbaren Töne müßten identisch sein, wobei das tiefe c1 in den Posthornsignalen nicht vorkommt. Vielleicht ist es auch aufgrund der engeren Mensur schlecht spielbar.

Beim Musuem für Kommunikation kann man sich einzelne Postrufe anhören

Martinshorn

Martinshorn ist der umgangssprachlich Name für das Folgetonhorn, das heute bei Feuerwehr und Polizei das alte Posthorn ersetzt. Beim Martinshorn (das seinen Namen vom Hersteller Max B. Martin hat) erklingen immer zwei Töne im Wechsel, die den Abstand einer Quarte zueinander haben. Dieser wechselnde Quartabstand war in der Jägersprache ein Signal für Gefahr.
Da es kein Musikinstrument ist, sondern nur die Signalaufgaben des Posthorns übernimmt, ist eine nähere Betrachtung verschenkte Liebesmüh'.

Seite erstellt: 28.05.2009